Vom Heavy-CapEx- zum Asset-Light-Modell im Investitionsgüterbereich – ein Bruch mit alten Strukturen
Im Investitionsgütersektor – insbesondere in der Bahn-, Energie-, Fahrzeug- und Maschinenindustrie – zeichnet sich ein grundlegender Wandel ab: weg vom reinen Besitz kapitalintensiver Investitionsgüter hin zu nutzungs- und dienstleistungsbasierten Geschäftsmodellen.
Asset-Light bedeutet dabei nicht, auf Investitionsgüter zu verzichten, sondern für deren Leistung und Nutzen zu bezahlen, anstatt sie dauerhaft im Eigentum zu halten. Nach einer definierten Nutzungsdauer werden die Anlagen häufig an den Hersteller oder Leasinggeber zurückgegeben.
Warum dieser Wandel gerade jetzt stattfindet
- Unternehmerische Flexibilität: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen ihre Produktionsmittel kontinuierlich modernisieren, Liquidität schonen und Kapitalbindung reduzieren. Gleichzeitig gewinnt Flexibilität an Bedeutung, um Kosten an eine schwankende Nachfrage anpassen zu können.
- Kapitalverfügbarkeit & Investoreninteresse: Private und institutionelle Investoren verfügen über erhebliche Mittel und suchen – insbesondere im aktuellen Marktumfeld – langfristige, stabile Anlagemöglichkeiten. Dies eröffnet neue und flexiblere Finanzierungsstrukturen für Investitionsgüter.
- Neue Risikoverteilung: Kunden möchten technische Risiken im Zusammenhang mit Investitionsgütern zunehmend nicht mehr allein tragen. Hersteller und Lieferanten übernehmen vermehrt Verantwortung für Verfügbarkeit, Leistung und Wartung.
- Digitale Technologien: Sensorik, Fernüberwachung und datenbasierte Wartung ermöglichen eine kontinuierliche Überwachung von Nutzung und Leistung. Damit werden nutzungsbasierte Modelle technisch erst praktikabel.
- Klimaziele & Energiewende: Um moderne, nachhaltige Technologien einzusetzen, ohne hohe Anfangsinvestitionen tätigen zu müssen, greifen Kunden vermehrt auf nutzerbasierte Modelle wie „Energy as a Service“ zurück.
Auswirkungen auf Finanzierung & Vertragsgestaltung
- Geringerer Kapitalbedarf: Betreiber müssen Investitionsgüter nicht mehr vollständig selbst finanzieren. Die Refinanzierung erfolgt über private und institutionelle Investoren sowie Banken.
- Übernahme technischer Risiken: Hersteller oder Lieferanten tragen vermehrt Risiken in Bezug auf Betrieb, Wartung und Verfügbarkeit.
- Service als Vertragskern: Verträge fokussieren sich stärker auf Leistungskennzahlen statt auf reine Lieferverpflichtungen.
- Restwertrisiko als Schlüsselfaktor: Die Frage, wer das Restwertrisiko trägt (Leasinggeber, Kunde oder Refinanzierer), beeinflusst Finanzierung, Bilanzierung und Vertragsstruktur wesentlich.
Wie Hersteller und Lieferanten sich neu positionieren
Um diesen Wandel erfolgreich zu nutzen, erweitern Hersteller und Lieferanten ihre Geschäftsmodelle gezielt:
- Leasing-Modelle: Investitionsgüter werden nicht verkauft, sondern vermietet. Innovative Ansätze wie saisonale oder progressive Leasingraten, Pay-per-Use-Modelle oder umfassende Servitization-Konzepte ermöglichen flexible und kundenspezifische Lösungen.
- Serviceverträge: Hersteller und Lieferanten garantieren über lange Laufzeiten Verfügbarkeit, Leistung oder Energieproduktion.
- Digitale Plattformen: Echtzeitdaten, vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance) und Fernwartung steigern Effizienz und Verfügbarkeit der Anlagen.
Chancen und Risiken für Hersteller und Lieferanten
Chancen
- Klare Differenzierung gegenüber Wettbewerbern
- Erschliessung neuer Kundensegmente (z. B. Unternehmen mit begrenzter Kapitalstärke oder schwankender Auslastung)
- Aufbau eines Occasionsmaschinenparks mit attraktivem Restwert und Zugang zu zusätzlichen Märkten
- Engere Kundenbindung und Zusatzerträge durch Wartungs- und Serviceleistungen
- Planbare, wiederkehrende Einnahmen über den gesamten Lebenszyklus der Anlagen
Risiken
- Langfristige technische und vertragliche Verpflichtungen
- Zunehmend komplexe Vertragsstrukturen
- Aufbau neuer Kompetenzen in Finanzierung, Vertrags- und Servicemanagement
Wie AIL Structured Finance Sie dabei unterstützt
AIL Structured Finance ist ein erfahrener Partner bei der Umsetzung von Asset-Light-Modellen, insbesondere in den Sektoren Bahn und Energie. Unsere Unterstützung umfasst:
- Projektstrukturierung: Entwicklung massgeschneiderter Leasing- und Finanzierungsmodelle inkl. Businessplänen und Leasingratenrechnern
- Refinanzierung: Strukturierung und Arrangierung von Refinanzierungslösungen mit Fremd- und Eigenkapitalpartnern
- SPV-Management: Aufbau, Management und Administration von Leasing-Zweckgesellschaften (SPVs)
- Leasing-Kalkulation: Berechnung realistischer und attraktiver Leasingraten sowie Zahlungsströme für Hersteller, Kunden und Investoren
Mit unserem Know-how unterstützen wir unsere Kunden dabei, die Vorteile von Asset-Light-Modellen optimal zu nutzen und Risiken gezielt zu steuern.